Die Geschichte des Natur- und Vogelschutzvereins Berikon und Umgebung

Am 30. Mai 2009 wird der NVV vierzigjährig. Ueli Schertenleib erzählt uns aus diesen Jahren. Doch zu Beginn möchten wir zeigen, wie es im Jahre 1969 zur Vereinsgründung kam.

1950 wurde der Geflügelzuchtverein Berikon-Widen und Umgebung gegründet.

1956 schlossen sich die Kaninchenzüchter an. Der Verein hiess jetzt Kleintierzüchter- Verein.

1959 wurde der Verein erweitert: Die Ornithologen (Vogelkunde) oder OV genannt gehörten neu dazu. Die ersten Nistkästen (Eulen- und Meisenkästen) wurden gebaut und im Berikerwald aufgehängt. Von 1950 bis 1961 engagierte sich Max Schertenleib im Vorstand, davon während acht Jahren als Präsident. In den 60er-Jahren begannen sich im ornithologischen Verein einzelne Mitglieder auch dem Vogelschutz zu widmen, noch heute findet man ab und zu einen vergessenen, über 40-jährigen Nistkasten aus jener Zeit, planlos mitten im Wald aufgehängt.

1969 kam es am 31. Januar zu einer denkwürdigen Versammlung mit nachfolgender Abtrennung, da sich die Naturschutz-lnteressierten von ihren Kollegen zu wenig unterstützt fühlten. Der Kleintierzüchter-Verein blieb weiterhin selbständig bestehen und das Vereinsvermögen, das Fr. 4000.-- überstieg, wurde aufgeteilt.

Die Präsidenten des Natur- und Vogelschutzvereins Berikon und Umgebung
1969 - 1985 Robert Jenzer
1986 - 1996 Ueli Schertenleib
1997 - 1998 Raphael Riederer
1999 - Rosmarie Groux
1969 wurde am 30. Mai der neue Verein gegründet. Er nannte sich Natur-, Vogelschutz- und Verschönerungsverein Berikon und Umgebung. Erster Präsident war Robert Jenzer, und er blieb während 16 Jahren in diesem Amt. Mit seinem politischen Engagement - er war unter anderem Gemeinderat und Grossrat- konnte er dem Verein oft weiterhelfen. Als Obmänner wurden gewählt: Hans Schertenleib für den Vogelschutz, Engelbert Koller für den Naturschutz, und der Präsident Robert Jenzer zusätzlich für die Verschönerung. Alle diese Pioniere haben sich jahrelang sehr stark und unermüdlich zum Wohle des jungen Vereins eingesetzt.

Kauzlogo An der Gründungsversammlung nahmen 38 Personen teil, 28 am Naturschutz interessierte schrieben sich als Mitglieder des neu gegründeten NVV ein. Als Signet für den Verein wurde ein Waldkauz vorgeschlagen, der heute noch jeden Briefkopf des Natur- und Vogelschutzvereins ziert.

Die Aktivmitglieder legten sich mächtig ins Zeug: Sie produzierten Nistkästen für Höhlenbrüter (Meisen, Kleiber, Trauerschnäpper, ...). In immer neuen Wäldern wurden die Kästen aufgehängt. Für den Waldkauz wurden ebenfalls Kästen gebaut, die Nisthilfen für Rauch- und Mehlschwalben wurden von auswärts bezogen und an geeigneten Orten angebracht.

Ein Festmahl

Nistkästen putzen - ein "Festmahl" im
rauchigen Keller des Waldhauses Berikon
Immer neue Gemeinden gehörten dem Verein an, zur Umgebung, die als Anhängsel im Namen erwähnt wird, gehören die Mutschellengemeinden Widen, Rudolfstetten und Oberwil-Lieli, sowie die Zufikon und Bremgarten. In diesen Gemeinden hingen bald über 1000 kleine Nistkästen, vom Reppischtal bis fast zum Tierpark von Waltenschwil. Das Zentrum, und damit auch Hauptaktivitätsgebiet, blieb aber immer Berikon. Das Holz für die mehreren tausend Nistkästen wurde bis heute von Oskar Metzler, Orgelbau Dietikon, gratis zugeschnitten, das Holz stammte lange Zeit aus den Wäldern Bremgartens, bezahltes Holz, das nie abgeholt wurde und uns dann vom Förster für den Nistkastenbau überlassen wurde, lange Zeit waren die Häuschen aus Eiche.

Die Nistkästen müssen jährlich geleert und gereinigt werden, da die Vögel jedes Jahr ein neues Nest über das alte bauen und das Ungeziefer sich so ganz munter vermehren kann - also gibt es jedes Jahr eine Putz- und Flick- und Ersetzaktion. Da waren nach Weihnachten oft alle sechs Brüder Schertenleib mit einem Teil ihrer Söhne und Töchter anwesend, was bei einigen Leuten den falschen Eindruck aufkommen liess, das sei jeweils ein geschlossener Familienanlass.

Die Leute unserer Region interessierten sich für die Natur und so kamen 1974 an eine einzige Exkursion ca. 300 Personen, zum Leidwesen der drei, oder waren es sogar nur zwei, Exkursionsleiter, die kaum wussten, wie sie alle Leute erreichen konnten.

Man baute Futterhäuser für die Fütterung in strengen Wintern, auch Feuerstellen wurden errichtet (Verschönerungsverein), man schweisste Grillroste und montierte Sitzgelegenheiten an Waldrändern und beim Waldhaus (beispielsweise neben dem heutigen Geologielehrpfad im Gunzenbühl). Die Abfallkübel wurden regelmässig von Vereinsmitgliedern geleert.

Einen grossen Anteil an diesen Arbeiten leistete Hans Schertenleib, der in seinem kleinen Einfamilienhaus auch das Magazin des Vereins einrichtete: Dachboden und Keller waren bald gefüllt und man fand weiteren Platz bei Hans Koller an der Zopfstrasse.

Der Spycher in 1983

Der Spycher in 1983
Später, konnte dann ein Spycher. als Lagerraum erworben und aufgestellt werden. Die Gemeinde Berikon finanzierte das Kellergeschoss, es wurde zusammen mit den Alterswohnungen erstellt und das Land im Baurecht dem Verein abgetreten. Fritz von Känel hatte Erfahrung im Erstellen von solchen Bauten, er fertigte die fehlenden Teile neu an, so dass aus dem lückenhaften Altbau nach langer Bauzeit 1983 endlich wieder ein Ganzes wurde. Im Untergeschoss befinden sich eine kleine Werkstatt und ein WC, im 1. Stock das Material- und Werkzeugdepot und unter dem Dach ein Sitzungszimmerchen.

1981 wurden bei einer grossen Pflanzaktion in Zusammenarbeit mit Förster Theo Stutz und der Gemeinde Widen entlang des Pflanzerbachs 750 Sträucher gesetzt. Umweltengagement war im Trend, 1983 zählte der Verein 626 Mitglieder - heute sind es wieder bedeutend weniger.

Die Betreuung des Rummelbachs wurde ebenfalls übernommen, in unregelmässigen Abständen fanden Säuberungsaktionen statt. Der letzte Bachaufseher, den der Verein stellte, war Kurt Winzeler. Glücklicherweise übernahmen in der Zwischenzeit die Ortsbürgergemeinde die Betreuung der Feuerstellen und Sitzgelegenheiten sowie das Bauamt die Bachaufsicht.

Die Waldwiese wird gemäht

Die Waldwiese wird gemäht
Im Beriker Wald befanden sich in den 70er-Jahren noch 3 gössere Waldwiesen, ein Überbleibsel aus alten Zeiten, in denen ein Teil des Gebietes als Allmend genutzt wurde. Diese Wiesen waren, und sind es teilweise noch heute, Standort mehrerer geschützter Pflanzen (Lungenenzian, Schwalbenwurzenzian, verschiedene Orchideenarten, Iris, Prachtnelke und andere).

Dr. Oettli vom Aargauischen Bund für Naturschutz machte schon 1974 eine Bestandesaufnahme und empfahl, die eine Wiese, die vom Besitzer mit Fichten bepflanzt wurde, unter Schutz zu stellen. Der Besitzer wollte aber nicht einwilligen - der Verein liess nicht locker und man kam dann im Rahmen der Revision des Nutzungsplans Kulturland doch noch zu einem guten Ende: Durch einen Tausch der Wiese gegen Wald der Ortsbürger konnten endlich die jungen Fichten wieder entfernt werden. Jedes Jahr muss der grössere Teil der Wiesen (es sind zwei und beide gehören den Ortsbürgern) geschnitten und das Schnittgut weggeführt werden, der Kanton bezahlt einen Beitrag, da die zwei Wiese von kantonaler Bedeutung sind.

Aber auch die grosse Zahl der Freibrüter brauchte Hilfe, vor allem jene im Kulturland. Deshalb gab es immer wieder Heckenpflanz-Aktionen. Hier waren und sind wir aber auch heute noch auf den Goodwill der Besitzer, das heisst der Landwirte, angewiesen.

Ein weitere Aktion galt auch schon den Hochstamm-Obstbäumen: Der Verein flnanzierte die Bäume, die nach dem Pflanzen an die Landbesitzer übergingen.

Um den interessierten Artenkenntnisse über Sträucher und Bäume zu vermitteln, erstellte der Verein im Buholz, Gemeinde Rudolfstetten, einen Waldlehrpfad, der 2003 eröffnet wurde. Eine vom Verein finanzierte Broschüre gibt zusätzliche Informationen zu den einzelnen Arten.

Dank der Initiative eines Vereinsmitgliedes konnte 2008 ein Grundkurs in Ornithologie angeboten werden. Dieser brachte den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Theorieabenden und auf Exkursionen die häufigsten Arten auf dem Wasser, in Feld und Wald, sowie im Siedlungsraum näher.

Bereits seit 1999 engagiert sich Rosmarie Groux intensiv als Präsidentin für den NVV Berikon und Umgebung. Als sehr initiatives Aktivmitglied wirkt seit Jahren Willi Mosimann beim Nistkastenbau aller Art, bei der Waldwiesenpflege, bei den Ersatzmassnahmen anlässlich des Sädelneubaus und bei mehreren weiteren Projekten mit. Es werden glücklicherweise auch immer wieder neue Vorstandsmitglieder gefunden, die bereit sind, tatkräftig mitzuarbeiten und dem Verein ein, hoffentlich, langes Leben zu garantieren.

Diese Geschichte kann man hier als Dokument herunterladen.



Seitenanfang